Nachdem das Hauptseminar „Politische Opposition“ des letzten Semesters hinter uns liegt, noch ein abschließender Gedanke. Denn das Thema der Opposition durchzieht gerade mal wieder die Tagespresse und liegt sowohl in Mitten des aktuellen Merkel/Putin-Streits, als auch der Polizeiaktion gegen potentielle Störer des G8-Treffens.

 

Zwei Beobachtung und zwei Folgerungen:

  • Die internationale Dimension der Politik ausklammernd und ohne jede Wertung muss man feststellen, dass der von Putin festgehaltene Schachspieler Kasparow in der Tat Verbindungen zur NED hat, die amerikanische Fördergelder für Regimekritiker in Russland verteilt. Zudem fordert er ein anderes Russland und tritt für eine andere Verfassung ein. Hier wollte Putin Macht demonstrieren, hat einen Kritiker festnehmen lassen, ihn bald wieder freigesetzt.

  • Die Aktion der Bundesanwaltschaft lief wohl auch eher unter Federführung des Innen- und des Justizministeriums ab. Jede mediale Interpretation lässt im Moment nur schlussfolgern, dass man hier im Vorfeld eines Gipfels Stärke zeigen wollte.

 

Man kann wohl sagen:

  • Die Grenzen, die politische Gebilde der Opposition setzten, sind variabel. Sie hängen weniger vom System ab, als vielmehr von den Akteuren, deren (Gefahren-)Perzeption und Aktionsspielraum. Der Aktionsspielraum ist nicht vorgeben oder in Marmor gegossen, sondern variiert anhand vieler Variablen: Reaktion der Öffentlichkeit/Zivilgesellschaft/internationalen Politik auf Staatseingriffe; damit die Akzeptanz, die der Staat vis-à-vis seinen Partner genießt und sein Machtspielraum, der durch seine Handlungsmöglichkeiten definiert wird. Die Grenzen der Handlungsmöglichkeiten sind per Definition fließend; man kann sie nur durch die konkrete Aktion ausloten und bestimmen. Damit heißt Opposition zu verschiedenen Zeiten, unter verschiedenen Rahmenbedingungen und für verschiedene Leute Verschiedenes. So unbefriedigend das auch sein mag.

  • Unter Bedingungen der Globalisierung und des Internets versucht – mit Ausnahme einiger Steinzeitregime – niemand mehr, auch nicht Russland, Opposition einfach zu unterdrücken und zu hoffen, man könne oppositionelle Stimmen zum Schweigen bringen. Jeder weiß, dass die Ermordung eines Journalisten viele neue Fragen nach sich zieht und somit kein geeignete Strategie ist, Probleme zu lösen. Bei Aktionen gegenüber „Oppositionellen“ geht es vielmehr um die Selbstdefinition und das Selbstverständnis eines Staates.

Was heißt das nun? Das Politik zuvorderst Politics ist!

Tobias

 

 So, auf die große Resonanz hin wird jetzt einfach nach und nach von uns die „Mutter aller Bibliographien“ erstmal proaktiv-allein zusammengestellt. Hier kommt Teil 1, ein Buch perfekt im Grundstudium und zwischen Cornflakes und Kaffee…

Thomas Friedman, The world is flat, Washington (2006)

In dem Werk ‘The world is flat’ beschreibt Friedman eingehend, wie Globalisierung das tägliche Leben weltweit stärker zusammenbringt, Distanzen verschwinden lässt und herkömmliche Denkkategorien verwischt. Er geht dabei von 3 Phasen der Globalisierung aus, 1492-1800 mit Staaten und staatlicher Expansion als den Hauptdarstellern in der Weltgeschichte; Phase 2 (1800-2000) ist von Industrialisierung und Weltfirmen gekennzeichnet und stellt die Geburtstunde der globalen Ökonomie dar. Die letzte Phase schließlich ist voll und ganz von einer Individualisierung der Globalisierung gekennzeichnet; Individuen werden ermächtigt,  miteinander in vielerlei Form in Kontakt und Konkurrenz ungeachtet konventioneller Distanzmaße zu treten.
Friedman malt seine Thesen amerikanisch-enthusiastisch und mit sehr vielen anschaulichen Beispielen im weiteren Verlauf des Buches aus. Zuerst nennt und erklärt er 10 Faktoren, die maßgeblich zu der ‘Verflachung’ der Welt beigetragen haben, geht als nächstes auf die USA und ihre Rolle in der flachen Welt ein und gelangt über die Rolle von Entwicklungsländern und Firmen zu seinem letzten Teil, der ‘Geopolitik der flachen Welt’.

Das Buch ist gut und schnell lesbar, enthält einige interessante Ansätze und vor allem viel anschauliches Material und zeigt die weltumspannenden Zusammenhänge auf, die in einer ‘flachen Welt’ von Bedeutung sind. Der kritische Leser vermisst sicherlich an so mancher Stelle eine etwas tiefergehende Analyse, und trotz der starken Ausrichtung auf den US-amerikanischen Markt ist das Buch auch hier sehr lesenswert und eignet sich gut als Einführung in die Thematik aktueller Globalisierungsphänomene.

Kultur als Politikersatz?

Dezember 6, 2006

Wer sich ein gutes Bild über das historische Verhältnis zwischen Kultur und Politik in Deutschland machen will, sollte unbedingt zu Wolf Lepenies Essay-Sammlung greifen (Kultur und Politik – Deutsche Geschichten, 2006; jetzt auch bei der BPB erhältlich). Hierin stellt der Friedenspreisträger des deutschen Buchhandels 2006 in kurzen Geschichten dar, wie in Deutschland lange Zeit Kultur als Politikersatz begriffen wurde.

“Politik und Staat ist der Bereich der Unfreiheit, Kultur der Bereich der Freiheit und des Stolzes” (S.21). “Eine Gefahr des sentimental überhöhten Kulturbegriffes lag darin, dass er politisches Handeln zu einer Aktivität niederen Ranges herabstuft” (S.407). Das erinnert doch alles stark an etwas. Volltreffer: Hannah Arendts Kritik des (deutschen) Politikverständnisses. So nimmt es nicht wunder, dass Lepenies Arendt oft zitiert, so wie das ganze Buch in Essays die Beziehungen zwischen großen Denkern und Ländern exemplarisch für die Problematik darstellt.

In Geschichten gegliedert, ist da Buch gut zu lesen, bietet aber trotzdem sehr interessante Einblicke: Deutschland war lange nur ein Kulturvolk, nach 1815 wurde klar, dass es ein Kulturstaat werden müsse, um Bestand haben zu können. Sprengstoff bietet die Position Nietzsches nach der Reichsgründung: Für ihn sind Kultur und Macht unvereinbar; wer in der Politik triumphiert, wird in der Kultur dafür zahlen. So blieb für Lepenies bis ins 20. Jhdt. des Deutschen Ambivalenz gegenüber der Politik. Politik musste in Deutschland immer etwas Metaphysisches enthalten, was den Blick auf die Realität trübte. Antipolitische Gedanken.

Tobias

Interview in der Welt mit Wolf Lepenies

 

Die Neuigkeiten flossen etwas zäh auf dieser Seite hier, da wir in letzter Zeit dabei sind, die neue Seite der Fachschaft Politik in Eichstaett zu gestalten. Hier werden in Zukunft alle Informationen, die die Fachschaft betreffen, stehen.

Erster Stammtisch

November 22, 2006

Am kommenden Montag (27.11.2006, 1900h in der „Trompete“) lädt die Fachschaft Politik herzlich zum ersten Stammtisch ein. Wir wollen uns dort nochmal kurz vorstellen, und sonst die Gelegenheit zum besseren Kennenlernen untereinander und mit den Dozenten nutzen.

Dublettenverkauf

November 16, 2006

Kurzer Hinweis: Die Uni verkauft wieder Dubletten, 25c pro cm.

Fachschaft Politik

November 7, 2006

Aufgrund der Quasi-Selbstauflösung der Faschaft der GGF haben wir von der Politikwissenschaft Handlungsbedarf gesehen und uns dazu entschlossen, kurzerhand selbst eine Fachschaft für unsere Interessen zu gründen. Ich verweise alle Leser auf die neue Unterkategorie in diesem blog, nämlich der für die Fachschaft Politik, auf der die aktuellen Rundschreiben und weitere Informationen – vorerst – stehen werden.

 Nachtrag

Seit gestern, d.h. dem 07.11.2006, existiert offiziell eine Fachschaft Politikwissenschaften an der KU Eichstaett, zu erreichen entweder über dieses blog hier, oder über ku.politik@gmail.com ; am nächsten Dienstag, d.h. dem 14.11.2006, werden wir unser erstes allgemeines Fachschaftstreffen haben, vorraussichtlich in der KHG ab 2100h s.t., und es sind alle herzlich dazu eingeladen dort vorbeizuschauen.

Wieviele Bücher liest man als Student in Eichstaett im Verlauf seines Studiums? Wieviele Bücher sollte man gelesen haben? Und, last but not least, wieviele Bücher davon waren wirklich lesenswert? Ich kann nur aus meiner Perspektive reden, aber Bücher, die mich beeindruckt haben…das waren maximal 10, vielleicht 15, die ich in meiner Zeit hier in Eichstaett in die Hände bekommen habe.

Professoren haben oft eine Vorliebe für Bibliographien, die ins Unendliche tendieren, und wenn sie dann mal in den Veranstaltungen Klartext reden, dann sind von den 60-80 Büchern auf ihrer Bibliographie eigentlich nur 2-4 wirklich zu lesen…diese dann wieder vergriffen oder nicht in Eichstaett verfügbar, wir kennen das Spiel, aber das soll hier nicht Thema sein.
Ich würde gerne mit denjenigen von euch, die interessiert daran wären, eine ‘Studiumsbibliographie’ der Bücher zusammenstellen, die man wirklich liest und gelesen haben sollte in seiner Zeit hier in Eichstaett. Diese Bibliographie kann und soll auch solche Titel enthalten, die man auch mal ‘zum Spaß’ lesen kann, d.h. deren wissenschaftlicher Gehalt sekundär ist, sie dafür aber eine anschauliche Einführung in die jeweilige Thematik bilden.

Die Idee wäre, sich einmal zu treffen, jeder bereitet seine persönlichen top 5 oder top 10 vor, stellt kurz jedes Buch vor, und schreibt auch 5-10 Zeilen dazu für dieses blog bzw die Bibliographie der Bücher, die man wirklich liest…

Dieser Aufruf richtet sich verstärkt an diejenigen, die in höheren Semestern sind, aber alle sind eingeladen, ihre Favoriten vorzustellen. Bei Interesse bitte ich um einen kurzen comment mit Adresse, oder einer Email an jonas.koll@ku-eichstaett.de , oder sprecht mich einfach so an. Falls dem einen oder anderen Professor noch Bücher einfallen, die man WIRKLICH gelesen haben sollte, so sind diese auch herzlich eingeladen, hier einen comment zu hinterlassen bzw ein paar Titel vorzustellen.

Ich werde dann schauen, wie die Resonanz ist und ein kurzes Treffen ausmachen.

Kurz: Kommentare

November 2, 2006

Ganz kurz nur in eigener Sache: WordPress zeigt auf der Startseite alle Artikel an, aber nur der jeweils neueste kann direkt von euch kommentiert werden. Wenn ihr zu einem der älteren Artikel Stellung nehmen wollt, dann klickt einfach auf die Überschrift, der Artikel wird quasi ‘geöffnet’, und ihr könnt dann einen comment hinterlassen.

Des weiteren wird jeder post mit einer entsprechenden Kategorie verlinkt, sodass man beim Klicken auf eine davon den ganzen blog danach filtern kann.

„Hitler war’s“

Oktober 31, 2006

Beim Durchsehen des Parlaments vom 11.9.2006 bin ich auf ein Interview mit dem Historiker Hannes Heer gestoßen, in dem er sein Buch „Hitler war’s – Die Befreiung der Deutschen von ihrer Vergangenheit“ (Aufbau-Verlag, Berlin 2005, 24,90 Euro) vorstellt.

Im Interview kritisiert er die beliebten ZDF-Infotainment Sendungen, in denen lediglich Hitler und seine Stellvertreter, nie aber die Rolle der Gesellschaft und des Durchschnittsdeutschen hinterfragt würden. In den Sendungen von Guido Knopp würde das Hitlerbild der 50er Jahre hoch gehalten: Hitler im Mittelpunkt, umgeben von einem Kreis Helfer, „die einen Pakt mit Mephisto abgeschlossen haben und nun Gefangene dieses Paktes sind“. Guido Knopp bezeichnet er deswegen auch als „Aufklärungsverhinderer“, da das deutsche Volk in seinem Fernsehen nicht auftauche, Zeitzeugen lediglich zur Steigerung der Dramaturgie herangezogen würden.

Dies erinnert stark an die von Hannah Arendt kritisierte Mentalität im Nachkriegsdeutschland, in dem mit Abtreten der Protagonisten das Thema für beendet erklärt wurde, ohne nach den Ursachen gefragt zu haben. Im Hinblick auf die ZDF Reihen klingt die Einschätzung von Heer für mich plausibel. Eine solche Entlastungsstrategie und Anpassung an den Publikumsgeschmack stimmt aber auch nachdenklich. Ich denke über die Lektüre des Buches nach.

 

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